Die Zahnfee "Brauch ohne Glaube"

Der Ursprung von vielen der Figuren - wie der Zahnfee - liegt teilweise viel weiter zurück, doch populär sind die meisten im 19. Jahrhundert geworden. Besonders das damals stark bürgerlich geprägte Deutschland wurde zu einer Art Exportweltmeister für Brauchtumsgestalten. Die Figuren haben oft einen religiösen Hintergrund, mit der Zeit aber kam es zu einer Verselbstständigung und einem gewissen Sinnverlust. "Brauch ohne Glaube" nennen Volkskundler dieses Phänomen.

Brauch fast aller Kulturen
Rituale im Zusammenhang mit dem Verlust der Milchzähne gibt es in fast allen Kulturen aber der Ursprung des Zahnfee-Mythos wird in England oder Irland vermutet: Im Mittelalter erzählten dort Eltern ihren Kindern, dass sie ihre verlorenen Zähne ins Feuer werfen sollten, um nach ihrem Tod nicht mehr darauf aufpassen zu müssen. Eine andere Version des Brauchs lautete, den Zahn in eine Ecke zu legen, um dafür den guten Zahn eines Tiers, meist einer Maus oder Ratte, zu bekommen. 


ausgefallener Milchzahn

Später hieß es, Kinder sollten ihre ausgefallenen Zähne behalten oder verbrennen, damit keine Hexen sie in die Hände bekommen. Man glaubte, dass böse Hexen die Macht über jemanden ergreifen, sobald sie einen Teil von ihm, wie eben einen Zahn, verbrennen. Es war wohl dieser Brauch, auf den die Wichtigkeit, auf seine verlorenen Zähne aufzupassen zurückgeht. Außerdem brachte er die Kinderzähne mit Zauberei in Verbindung.
Die Zahnfee selbst hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der anglo-amerikanischen Folklore etabliert. Doch auch in Deutschland legt die Zahnfee mittlerweile nachts vielen Kindern eine Überraschung unter das Kopfkissen. Sogar einige Zahnärzte bezeichnen sich heute als "Assistent der Zahnfee", um Kindern die Angst vor der Zahnbehandlung zu nehmen.
Das Vergolden des ersten Milchzahnes ist eine exklusive Variante dieses Brauches.

Diese Bräuche sind in anderen Ländern üblich:

In Russland legen die Kinder ihr erstes "Mausezähnchen" für die Mäuschen unter das Bett.
In Japan wirft man die ausgefallenen Milchzähne des Unterkiefers unter die Veranda, die des Oberkiefers werden auf das Hausdach geworfen.
In der Schweiz holt nachts die Ameise den Wackelzahn ab und lässt ein Geldstück da.
Und in Polen pflanzen die Kinder ihren ersten ausgefallenen Zahn im Garten ein, damit die neuen Zähne gut wachsen.

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